Abfindungsrechner & Verhandlungsstrategien im deutschen Arbeitsrecht
In Deutschland gibt es entgegen weitverbreiteter Mythen selten einen automatischen Abfindungsanspruch. Erfahren Sie, wie die Regelabfindung berechnet wird und wie Arbeitgeber Verhandlungen taktisch führen.
Im deutschen Arbeitsrecht existiert grundsätzlich kein automatischer gesetzlicher Anspruch auf eine Abfindung bei einer Kündigung. Dennoch endet der Großteil aller Kündigungsschutzprozesse vor deutschen Arbeitsgerichten mit einem Abfindungsvergleich. Grund dafür ist das sogenannte Annahmeverzugslohnrisiko des Arbeitgebers.
1. Warum Arbeitgeber freiwillig Abfindungen zahlen
Gewinnt der Arbeitnehmer eine Kündigungsschutzklage nach 6 bis 18 Monaten Prozessdauer, erklärt das Gericht die Kündigung für unwirksam. Das Arbeitsverhältnis bestand durchgehend fort. Der Arbeitgeber ist sodann verpflichtet, dem Arbeitnehmer das gesamte Gehalt für die vergangenen Monate rückwirkend nachzuzahlen (§ 615 BGB) – ohne dass der Arbeitnehmer in dieser Zeit gearbeitet hat ("Annahmeverzugslohn").
Um dieses unkalkulierbare finanzielle Risiko auszusschalten, zahlen Unternehmen im Rahmen eines gerichtlichen oder außergerichtlichen Vergleichs eine Abfindung gegen endgültige Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
2. Die Regelabfindung und Verhandlungsfaktoren
Als erste Orientierung dient in der Praxis die Formel der sogenannten Regelabfindung:
Abfindung = Faktor x Bruttomonatsgehalt x Jahre der Betriebszugehörigkeit
- Standardfaktor: 0,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr.
- Faktor-Spanne in der Verhandlungspraxis: 0,25 bis 1,5+ Monatsgehälter.
Der konkrete Faktor hängt maßgeblich ab von: